unabhängig * überparteilich * täglich aktuell
SUCHE:


The ultimate Sub Sandwich

4. Mai 2012

O.k., das üppig belegte Sandwich hat nur 3,99 Euro gekostet. Aber ich hab’ mir dafür auch echt ‘nen Zahn locker gequatscht. Und das alles nur, weil mein örtlicher Sub-Dealer nicht einfach nur das von mir bestellte Produkt aus seiner bunt bebilderten Speisenkarte rausrücken wollte. Meine Order (“Die Nummer neun…”) konterte er schon mit der Frage: “Ganz oder halb?” Und erwartungsgemäß gab er sich mit der Antwort “so, wie auf dem Bild” nicht nur in dieser Phase des mehrstufigen Bestellprozesses nicht zufrieden. Abgebildet ist halb, der Preis ist für halb, der gewöhnliche Sub-Kunde nimmt aber offensichtlich ganz. Ich nicht. Ich will so, wie auf dem Bild.

“Das Brot leicht angeröstet?” O.k. – why not. “Bisschen Bacon dazu…?” Klar, auch. “Kostet aber Aufpreis.” Dann nicht. “Mögen Sie hier alles?” Die mit Plastik behandschuhten Finger des Sandwich-Experten wandern über die Auslage: Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Oliven, was das Herz begehrt. “Kostet’s extra?” Nein, diesmal nicht. Also mag ich alles. “Zwiebeln auch?” Alles. “Jalapeños auch?” Alles, echt… “Scharfe Sauce?” Ich ändere die Strategie: “Die dazu passt.” – “Scharf passt gut.” Also scharf. “Zum hier essen oder mitnehmen?” – “Ich ess’ es gleich.” – “Also unterwegs?” Von mir aus auch unterwegs. Vielleicht auch gar nicht. Mein Hunger ist irgendwie übergangen.

“WissenSie, das Schöne bei Subway ist, dass man sich alles aussuchen kann!” Ja. Das ist das Schöne. Ich lächle müde. Er grinst breit.

Großer Zopfenstreich – Agenturmeldung

8. März 2012

Berlin, Schöne Aussicht (dbddhkp). Mit dem traditionellen Großen Zopfenstreich wurde der beliebte Bundespräsident Chrsitian Wulff heute vor seinem blutrot illuminierten früheren Wohnhaus “Schöne Aussicht” verabschiedet. Die Ehrenkompanie der Bundeswehr intonierte auf Wunsch des geschiedenen (und wieder vermählten) Bundespräsidenten die vier volkstümlichen Stücke für 300 Jagdhörner “Sau tot”, “Hirsch tot”, “Hund tot” und “Mausetot”. Zuvor überreichte eine ranghohe Obergefreite dem in der Politik hoch angesehenen Niedersachsen eine anlässlich des Frauentages mit rosa Rüschchen und Herzchen verzierte Wanddekoration für die heimische Küche aus dem Hause Roller: “Hier kocht Wulff, essen Sie trotzdem”; unterzeichnet wurde das offizielle Abschiedsdokument vom amtierenden Staatsoberhaupt, dem ersten, stärksten und zweifelsohne auch schönsten Manne im Staate, Horst Seehöflich. Nach dem Großen Zopfenstreich wurde wie bei dem höfischen Zeremoniell üblich zum Gebet gerufen. Der überaus integrative Wulff zückte spontan seinen Gebetskompass und breitete den Gebetsteppich gen Mekka aus. Mit einem beherzten “Allahu Akbar” erwarb sich der gebürtige Osnabrücker Hochachtung bei den anwesenden Migranten, unter ihnen das südvietnamesische Findelkind Philipp Rösler. Berliner Bürger begleiteten den Zopfenstreich in Schloss Bellevue mit einem würdevollen Klangspiel auf den beliebten südafrikanischen Vuvuzelas. Vermutlich war dies eine Reminiszenz an den Besuch des sportbegeisterten Bundespräsidenten a.D. beim kleinen Finale der deutschen Fußballnationalmannschaft 2010 in Port Elizabeth. “Ich bedanke mich aufrichtig, dieser Abschied hat mich bewegt. Und meine Frau auch.” Mit diesen Worten verließ Christian Wulff den Garten der Schönen Aussicht und begab sich zu dem für ihn und seine engsten Freunde Maschi (-meyer, nicht -wold), Groeni (-wold, nicht -meyer) & Co. (weder -meyer, noch -wold) angerichteten “Flying Buffet”, begleitet vom Kammerorchester der Bundeswehr (“Fasan tot”).

Der Maschi, der Vitali, der Christian und andere Freunde

20. Februar 2012

Den Maschi, den wirst Du nicht los. Wenn Du den einmal getroffen hast, dann klebt er an Dir wie Hundescheiße. Und er stinkt offenbar auch genauso, wenn Du im politischen Leben nochmal was werden willst. Maschis Freunde, das sind der Gerhard (Schröder), der Sigmar (Gabriel) und der Christian (Wulff). Wie man einem jetzt veröffentlichten Foto entnehmen kann, zählt auch der Joachim (Gauck) dazu. Was der Maschi an diesen doch recht unterschiedlichen Charaktären gut findet: keine Ahnung. Was sie an ihm gut finden, glaube ich zu wissen: sein Geld. Und natürlich seine Frau, die bildhübsche Veronica (Ferres).

Der Maschi kennt aber nicht nur Politiker, sondern auch Schauspieler, natürlich Unternehmer und sogar Sportler. Den Vitali (Klitschko) – das sagte er neulich – kenne seine Frau ja schon viel länger und besser. “Ich bin mehr mit dem Wladimir eng”. Das ist der andere boxende Klitschko. Wahrscheinlich hat der Maschi eine allzugroße Nähe zum Vitali vorsichtshalber bestritten, weil der ja noch was werden will – politisch, in der Ukraine. Und in einem Land, in dem massenhaft herrenlose Hunde herumstrolchen und im Vorfeld der Fußbal-EM teils barbarisch abgeschlachtet werden, kann man Hundescheiße weiß Gott nicht gebrauchen.

Endlich geleaked: Christian Wulffs Anruf bei Kai Diekmann

5. Januar 2012

Hallo Kai,

ich bin gerade auf dem Weg zum Emir. Puh – 10 Termine heute wieder und dann noch diese Hitze. Für meine Frau und mich ist der Rubikon langsam überschritten. Muss mit den Jungs hier mal über die Sache mit dem Iran reden – nicht, dass die noch Krieg führen. Wenn es ginge, würde ich gegen Ahmadinedschad Strafantrag stellen nach internationalem Recht, wegen seines blöden Atomprogramms. Egal – ich muss weiter. Ach ja, eine Bitte noch an Dich: Könntest Du den Artikel über meinen Hauskredit noch um einen Tag verschieben? Meine Tochter ist dann wieder im Lande, sie würde ihn ganz gerne lesen, wenn sie die BILD morgens am Kiosk holt.

Alles Gute dann noch – wir sehen uns nächste Woche bei Maschis Geburtstagsfeier!

Usain Bolt

31. Dezember 2011

Meine beiden Feuerwerksbatterin der verbotenen Kategorie vier habe ich mir online beschafft. Sie kamen – unverdächtig – in einem Karton für Sexspielzeug. Gott sei Dank. Nach dem Empfang knöpfte ich mir sogleich die Gebrauchsanweisung vor; man will in der Silvesternacht ja vor Überraschungen gefeit sein. Schön, dass man sich in Fernsot die Mühe gemacht hatte, das “How to” ins Deutsche zu übersetzen.

“Wenn starte Feuergewerk elektrisch, schieben Zündkappe über….” Nein, das konnte es nicht sein. Ich hatte vor, den Sternenzauber klassisch von Hand zu entzünden, mit meiner alljährlichen Silvesterzigarre, gerollt von kubanischen Jungfrauen auf deren samtweichen Oberschenkeln. Die Chinesen hatten das wohl geahnt, denn auch hierfür gab es ein paar wertvolle Tipps.

“Zünden mit kubanische Zigarre”, begann die Passage mit einer Reminiszenz an die politischen Gesinnungsfreunde aus der Karibik, “nur, wenn beachten kleine Sicherheitshinweis. Nach setzen Feuer an Lünte (Anm. d. Autors: Ist mir ein Rätsel, wie das amerikanische Übersetzungsprogramm der Chinesen ausgerechnet hier ein “Ü” einflickte), nehmen rasch Reißaus 100 Meter. Bis Explosion 10, 0 Sekunden.”

Dieser Hinweis hat mich nachdenklich gestimmt, nicht aber mutlos. Es waren noch zwei Tage Zeit bis zum Jahreswechsel und bei Facebook musste doch jemand zu finden sein, der… Vielleicht sogar ein Kubaner. Dayron Robles beispielsweise kann 110 m Hürden nachweislich deutlich unter 13 Sekunden laufen, da sollte auch die nächtliche Feuerwerksaufgabe lösbar sein. Aber Robles ist nicht bei Facebook. Dafür aber Merlene Ottey. Sie kommt zwar nicht aus Kuba, sondern von der Nachbarinsel Jamaika; aber sie wäre für einen Silvesterabend in Schweinfurt freilich eine willkommene Bereicherung. Von einem Farbtupfer möchte ich in ihrem Zusammenhang lieber nicht sprechen, wenngleich ihre Fingernägel stets…

Merlene Ottey kann 100 m nicht in zehn Sekunden laufen und sie konnte das auch damals nicht, als sie bei Weltmeisterschaften noch mehrfach für eine Goldmedaille gut war. Bei Facebook hat sie übrigens 12.307 Follower. Plus einen, jetzt. Ihr Landsmann Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt. Er hat 5.728.215 Follower. Zum Internationalen Stadionfestival ISTAF in Berlin kam er heuer leider nicht – für 300.000 Dollar wollten ihn die Veranstalter dann doch nicht haben. Aber vielleicht kommt er zur Silvesterknallerei nach Schweinfurt, an die Eselshöh? So von Facebook-Freund zu Facebook-Freund? Sein kleiner Sprint von der eben entzündeten Feuerwerksbatterie hinter die 100 m entfernt gelegene Mülltonne könnte ein Highleight des Jahreswechsels 2011/2012 in Schweinfurt sein.

Um es kurz zu machen. Er kommt nicht, der Herr Bolt. Ich muss das selbst erledigen, denn so ganz unentzündet möchte ich mein sündhaft teueres Feuerwerk natürlich auch nicht lassen. Als ich jung war, konnte ich 100 m in etwa 11,3 Sekunden laufen. An guten Tagen, mit Spikes und Rückenwind auf einer perfekten Tartanbahn. Und heute? Wir werden sehen. Ich sag’ schonmal “Adieu 2011″. Und auf ein Neues in 2012. Vielleicht.

Aus Liebe zum Menschen

21. Dezember 2011

Carsten Maschmeyer ist nicht mein Freund. Egon Geerkens auch nicht. Ob ich die beiden sympathisch finde und gerne ihr Freund wäre, steht dabei noch nichtmal zur Debatte. Denn sie wollen nicht meine Freunde sein. Ich bin zu uninteressant, passe weder in ihre Welt des Geldadels noch könnte ich ihnen in irgendeiner Hinsicht nützlich sein. Gleiches galt für Christian Wulff, einem Kind aus vergleichsweise einfachen Verhältnissen – bis er aufstieg zum politischen Hoffnungsträger der CDU in Niedersachsen und 2003 gar zum Ministerpräsidenten gekürt wurde. Wer so ein Amt innehat, erbt von seinem Vorgänger offenbar nicht nur den Schreibtisch, sondern auch die Freunde, wie eben den Herrn Maschmeyer.

So richtig gute, enge Freunde – und wer mag daran zweifeln, dass Carsten Maschmeyer, Egon Geerkens und Christian Wulff das über die vielen Jahre, gefühlte Jahrzehnte geworden sind – helfen sich schonmal, wenn es eng wird. Da leiht man sich ein halbes Milliönchen oder schaltet für gut 40.000 Euro eine Anzeigenkampagne, weil das unter Freunden eben so ist und man sich auch keine Gegenleistung erwartet. Schließlich mag man nicht den Mnisterpräsidenten, sondern den Menschen Wulff, so wie man vorher auch den Menschen Gerhard Schröder gemocht und unterstützt hat. Was Menschen angeht, scheinen die Maschmeyers dieser Welt nicht wählerisch zu sein…

Der Wulffi, wie ich ihn einmal freundschaftlich nennen möchte, muss nicht zurücktreten. Er müsste zurückgetreten werden – von allen, die es nicht nötig haben, sich bei den Reichen und Einflussreichen anzubiedern und so unter dem Deckmantel der Freundschaft ein Netzwerk der Günstlingswirtschaft zu knüpfen. Wenn man so etwas fordert, schadet man auch nicht dem Amt, wie Wulffs anderen Freunde, die politischen, behaupten. Ich habe nichts gegen das Amt. Aber gegen den Menschen, der es eigentlich nicht verdient hat und nun nicht mehr hergeben möchte, habe ich sehr wohl etwas. Mit Verlaub.

Soko Leipzig

20. November 2011

Die Chance war größer denn je an diesem Freitagabend um kurz vor Zehn. „Hajo“ Trautzschke hatte irgendwie kein Gefühl mehr in den Fingern, sollte aber eine Bombe entschärfen, indem er einen ganz bestimmten Draht durchzwickt. Sein Kollege Jan Maibach eilte hinzu, die Sekunden verrannen und ich dachte: Jetzt ist es so weit. Jetzt geht die ganze Mischpoke hoch, schade zwar um Hajo und Jan, aber es ist ja nur ein Film, besser gesagt eine Serie, eine, die nach zehn unsäglich langweiligen Fernsehjahren endlich zu Ende geht…

Ich hätte es allerdings wissen müssen. Natürlich erfühlte Jan den richtigen Draht, kurz vor dem großen Knall machtes es “Klick” und alle atmeten erleichtert auf. Schade. Ich hätte Soko Leipzig in guter Erinnerung behalten. Nicht wegen der bisherigen Folgen, sondern wegen des starken Abgangs. Das wäre es doch mal gewesen, wenn in einem deutschen Krimi plötzlich die beiden Hauptdarsteller hätten abtreten müssen, unvermittelt, unerwartet, unerhört? Einfach so, ohne quälendes Vorspiel, ohne langes Siechtum, Peng, eine Bombe geht hoch, zwei Kommissare waren nicht vorsichtig genug, aus und vorbei…

Mag sein, dass das dem einen oder anderen zu roh klingt. Aber hat es nicht auch Charme? Den Krimi einmal nicht so vorhersehbar enden lassen, die Guten mal nicht siegen, die Bösen mal nicht verlieren zu lassen? Ganz so, wie allzu oft im richtigen Leben? Oder brauchen wir das tröstende Ende nach einer knappen Stunde mehr oder weniger packender Action, weil wir es tagsüber nicht hatten? Ist es möglicherweise das Trostpflästerchen, das uns vom ZDF verabreicht wird, bevor wir im nachfolgenden Heute Journal wieder mit der Realität konfrontiert werden?

In der Realität, das wissen wir, tauchen dunkle Geheimdienstgestalten zufällig immer dort auf, wo wirre Neonazis Jagd auf Ausländer machen. In der Realität lassen rechte Kriminelle mitten in der Kölner Innenstadt Nagelbomben einfach hochgehen und kein Hajo ist da, um irgendeinen Draht durchzuzwicken. In der Realität verhindern Verfassungsschützer, dass Verbrecher geschnappt werden, bevor sie noch mehr Unheil anrichten – und sie pumpen Geld in einen braunen Sumpf, den sie über V-Leute zu kontrollieren glauben.

Wer schreibt eigentlich die Drehbücher zu Soko Leipzig? Ich hätte da ein paar Anregungen. Eine Dönerbude spielt dabei eine Rolle, eine türkische Familie – Mann, Frau, drei freundliche Kinder – die diese betreibt. Deutsche Gäste spielen dabei eine Rolle, die sich Döner und türkische Pizza schmecken lassen.  Zwei rechte Chaoten sind dabei, die eine Nagelbombe bauen und diese in der Dönerbude verstecken. Und ein V-Mann, der das ganze beobachtet. Als die Bombe hochgehen soll, machen die Betreiber eine Stunde früher Feierabend – irgendeine Familienfeier.  Die beiden Neonazis schauen nach ihrer Bombe, der V-Mann kommt dazu, will sie entschärfen, bevor sie “ganz umsonst” hoch geht, zwickt den falschen Draht durch und… Das wäre mal ein Ende ganz nach meinem Geschmack.

Pinkelgroschen

25. Oktober 2011

Wenn ich im Wirtshaus sitze und so mein Bier trinke, manchmal auch ein Wasser, kommt es vor, dass ich dieses dringende Bedürfnis bekomme. Ich begebe mich also an das entsprechende Örtchen und verschaffe mir Erleichterung. Weil ich dem Wirt in der Regel ein teurer und treuer Gast bin, würde es ihm sicher niemals in den Sinn kommen, mir für diesen Service auch noch Geld abzuknöpfen. Denn schließlich muss, was oben reingurgelt, unten wieder rausplätschern – das ist ein Naturgesetz und dient letztlich der Schaffung neuer Aufnahmekapazitäten. So weit so gut.

Die Stadtgalerie Schweinfurt preist ganz gerne auch ihr vielfältiges kulinarisches Angebot an und ist tatsächlich mit einer Reihe von Asiaten, Fast-Food-Ketten, Backshops und Pizzerien ordentlich bestückt. Zum Essen wird auch hier gerne etwas getrunken und selbstverständlich ergeht es den Gästen im Shoppingpalast nicht anders, als dem “normalen” Wirtshausbesucher: Die große Apfelschorle oder auch der Pott Kaffee wollen nach einer Weile entsorgt werden (eigentlich sollte man sein Getränk bis zu zwei Stunden halten können; aber wenn man nun schon mit halbvoller Blase ankommt…).

Man begibt sich also auf den langen Marsch zu den zentral gelegenen Toilettenanlagen und trifft auf ein freundliches Weiberl oder Manschgerl, das einem erwartungsfroh entgegenlächelt. Dazu kaum zu übersehen eine Schale mit etwas Klimpergeld darin auf dem Sims und auch überm Urinbecken der nicht allzu dezente Hinweis, dass diese Anlagen so wunderbar in Schuss sind, weil die fleißigen Hände des Manschgerls oder Weiberls hier gut behandschuht ihren segensreichen Dienst verrichten.

Das ist übrigens auch in der nächsten Eckkneipe der Fall, aber deshalb würde der Wirt dort niemals auf die Idee kommen, seinen Gewinn aus dem Stammgeschäft – dem Verkauf von Speisen und Getränken – durch ein paar Pinkelgroschen aufzubessern. Die Stadtgalerie tut’s trotzdem, obwohl die rund 100 Händler und Gastronomen sich kostenlose saubere Toiletten für ihre Kunden wirklich leisten können sollten. Egal. Man muss da ja nicht pinkeln. Und auch nicht essen oder trinken…

Spanische Strandplörre

2. September 2011

“Hausgemachten Weißen und Roten” gibt es jetzt im lauschigen Biergarten des Schweinfurter Naturfreundehauses. Darauf weist ein Schild hin und das passt. Denn wo sonst könnte man eine deftig-fränkische Brotzeit entspannter genießen, als unter mächtigen Kastanienbäumen im Spätsommer des Jahres 2011 inmitten der schönen Stadt Schweinfurt? Doch halt – auf dem Schild steht noch mehr:

Werbetafel im Naturfreundehaus

Lust auf hausgemachten Weißen? Pech gehabt - hier gibt es leider nur Sangria... Foto Laschka

“Sangria 0,5 3,80″. Der Weiße und der Rote kommen hier also nicht wie erhofft aus der “Wurschtküch”, sondern werden in einem großen Glas oder vielleicht auch Eimer zusammengerührt. Außerdem sind sie flüssig und nicht fest und wohl auch mit allerlei bunten Früchten angereichert. Es soll ja Leute geben – ich zähle mich zu ihnen -, die in ihrem Leben noch niemals Sangria getrunken haben. In meinem Fall ist das so, weil ich die große Zeit der Bowlen und sonstigen Panschereien spätestens seit dem Tod von Heinz Rühmann im Jahr 1994 für beendet halte.

Was mag nun einen Schweinfurter Biergartenbetreiber dazu bewegen, seinen Gästen die spanische Strandplörre anzubieten und auch derart anzupreisen? Ich habe – nicht allzu lange – darüber nachgedacht und bin zu dem für mich einzig schlüssigen Ergebnis gelangt: Es handelt sich um eine Marketingmaßnahme. Nicht etwa für den Biergarten, das wäre ja widersinnig, sondern für den dort ausgeschenkten Gerstensaft des Schweinfurter Brauhauses.

Und der Dreh ist auch ganz einfach: Das Pils oder auch das hier ausgeschenkte Lager vom Brauhaus mag schmecken wie es will; es hat in Schweinfurt ein massives Imageproblem. Muss es nun im Wettstreit der Biere gegen die anderen heimischen Brauereien antreten, zieht es meist den kürzeren – zuletzt beim Ausschank am “Platz des Bieres” im Rahmen des Schweinfurter Stadtfestes, wo die Schlangen vor den Ständen des Hauseners Ullrich Martin oder der Schweinfurter Brauerfamilie Borst lang waren, rund um den Stand der “Blauen” aber gähnende Leere herrschte.

Im Naturfreundehaus misst man sich nun also mit anderen Gegnern – “Sparringspartnern”, wie das im Sport heißt. Möchten Sie rote Sangria, weiße Sangria oder ein frisch gezapftes, gut gekühltes Brauhaus Bier vom Fass? Geben Sie sich die Antwort gerne selbst…

Apropos Naturfreundehaus. Mit Freuden erinnere ich mich in diesem Zusammenhang immer an den Freud’schen Versprecher einer früheren Moderatoren-Kollegin bei TV 1; sie hatte eine Veranstaltung ebendort mit dem Hinweis angekündigt, diese fände im Schweinfurter Natur-Freudenhaus statt. Ein Fall für die Sittenpolizei?

Und noch ein Bonmont: Aufbaugegner sucht sich das Brauhaus nicht nur vor dem Schankfenster des Naturfreundehauses, sondern auch im Bereich des Sponsoring. Während die Rot(h)en seit Jahr und Tag Gold-Werbepartner des Schweinfurter Eishockey-Bayernligisten Mighty Dogs sind, stiegen die Blauen nun groß ein beim Landesligisten Kissinger Wölfe. Böse Zungen sprechen hier von “freiwilliger Selbstdemontage”.  Zumindest im sportlichen Bereich ist die Rangfolge vorerst geklärt…

Anorak

18. August 2011

Immer wieder stoße ich im Straßenverkehr auf diesen Schriftzug: “Testen Sie den neuen Nissan Anorak.” Aufgebracht auf einem Fahrzeug, das aussieht, als wäre es direkt aus einer der letzten Dallas-Folgen nach “good old Germany” verschifft worden. “Keiner kauft heute mehr Anoraks”, denke ich mir dann, weiß inzwischen aber sehr wohl, dass die Schüssel nicht Anorak heißt, sondern Amarok. Was denken sich diese Marketingfuzzys eigentlich?

Früher hießen unsere Autos Käfer und sahen genau so aus. Oder sie hießen Kadett und sahen aus wie… Na ja, lassen wir das. Aber heute heißen die Autos eben Anorak – Verzeihung, Amarok – oder M5 (BMW) oder A3 (Audi) oder DS5 (Citroen). Mein Auto heißt Santa Fe und ich dachte lange Zeit, das garantiere besondere Kletterfähigkeiten, weil die gleichnamige US-Stadt in New Mexico weit über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Aber es klettert eher behäbig, ist dafür sehr durstig und bei jedem Kundendienst durchaus willig, das Verschleißpotenzial weidlich auszuschöpfen.

Doch zurück zu Autonamen. Was macht eigentlich der Beetle? Jenes kugelrunde Fahrzeug der guten alten Autoschmiede Volkswagen, das aus irgendeinem Grund nicht mehr Käfer heißen durfte, obwohl es genau so aussah, sondern Beetle heißen musste, weil das alle Welt versteht, nur der deutsche Durchschnittskäufer nicht (jener Kunde, der in den Siebzigern und Achtzigern zig Millionen des Vorgängermodells orderte)? Er ist bestimmt ein Wahnsinns-Verkaufsschlager, weil ja jetzt alle Welt weiß, was sein Name bedeutet. Und tatsächlich: 2011 wurden in Deutschland schon fast 300.000 Beetles zugelassen – Chapeau!

Ich wüsste schon ein paar Autonamen, die das Fahrzeuggeschäft wieder ankurbeln könnten. BMW Donner zum Beispiel oder Opel Blitz (ja, ja, ich weiß – das Logo…). Dann natürlich VW Genießer oder Mercedes Komfort. Und: Porsche 500 Ruhe sanft. Wobei hier 500 einen Hinweis auf die PS-Zahl liefern sollte und Ruhe sanft für das steht, was dem ersten Autobahnausflug unweigerlich folgt…

Hier schreibt:
Holger Laschka Lic.rer.publ
Vollblut-Journalist und "Halbblut-Unternehmer"
MEHR...
Aktuelles
Swexlog

Tipp der Redaktion