Der Besuch im Spa war lange überfällig; zu viele Freunde hatten uns schon vorgeschwärmt vom Erholungswert dieses “Kurzurlaubs zuhause” und es war fast unerträglich, dass wir nicht mitreden konnten. Jetzt, da das Spa die Sonderaktion “2 für 3″ gestartet hatte – zahle zwei, bleibe drei Stunden – hielten wir den Zeitpunkt endlich für gekommen.
So ein Spa hat heutzutage immer ein gutes Feng Shui, alles ist rund und fließend, damit das Chi ohne jeden Widerstand durch den Raum schweben kann und sich nicht an irgendeiner Ecke oder Kante stößt. Früher waren Schwimmbäder kubisch, die Wasseroberfläche rechteckig und 25 Meter lang, damit man die absolvierte Schwimmdistanz exakt messen kann; aber schwimmen soll man heute ja nicht mehr – man badet.
Und zwar in wahlweise 32, 35 oder gar 38° Celsius warmem Solewasser, auf dem man sich rücklings schwebend dahintreiben lassen kann (nein, ich kann das nicht, aber andere, voluminösere Körper…) und völlig eins ist mit sich und dem salzigen Wasser in seinem Gehörgang. So treibt man nun also eine Weile dahin und behält die Uhr im Auge, weil man die einzelnen Anwendungen (so heißen die Badebesuche in den verschiedenen Pools) nur maximal 15 Minuten durchführen soll, wobei diese schon viel zu lange sind, denn der Sekundenzeiger schleicht dahin wie Michael Schumacher seit seinem Formel-1-Comeback und der Minutenzeiger scheint festgeschweißt.
Auf der Suche nach Zerstreuung verlässt man also das Becken und begibt sich in die rückwärtigen Bereiche des Spas, wo man viel lernen kann. Etwa über indische Farblichttherapie, bei der man in einem (natürlich) runden Bunker auf sandigem Boden liegt und eine halbe Stunde lang mit sphärischen Klängen berieselt und Lichtwellen unterschiedlicher Intensität bestrahlt wird. Das Ambiente ähnelt zwar mehr der texanischen Wüste, insbesondere wegen der zahllosen Kakteen-Atrappen aus Plastik, die im groben Wüstensand stecken, aber was will man erwarten, gut 6.000 Kilometer Luftlinie von Indien entfernt – da kann sich schon mal der eine oder andere Übermittlungsfehler einschleichen…
Was man außerdem lernt: Kleine Extras kosten Extrageld – das Zauberwort heißt “aufbuchen”. Jetzt endlich versteht man, was es mit dem kleinen Plastikchip auf sich hat, den man seit dem Eintritt ins Bad ums Handgelenk trägt und der hier die Funktion einer Kreditkarte erfüllt. Mit dem “plastic money” verschafft man sich Zutritt zur Farblichttherapie (vier Euro) ebenso wie zur Moorschlammanwendung (sechs Euro, wobei man sich selbst einsuhlen muss – Personal ist bei dem Preis leider nicht mit drin…) und kauft sich einen Grüntee oder ein stilles Wasser. Abgerechnet wird am Ausgang, ha, wir werden ja sehen…
Herzstück eines jeden Spas ist natürlich die Saunalandschaft oder Saunawelt, wobei per definitionem wohl alles bis acht Saunahäusern unter dem Oberbegriff “Landschaft” subsumiert wird, darüber beginnt die Welt. In meinem Spa nannte sich das ganze Saunapark, hatte aber durchaus Weltcharkater mit so unterschiedlichen Erlebnisschwitzbuden wie der Erdsauna, der Gartensauna, der Lodgesauna, der Biosauna, dem römischen Dampfbad und und und. Was auffällt: All’ die adretten Menschen mit ihren wohlgeformten Körpern, die einem vom Prospekt entgegen lächelten, sind entweder schon gegangen oder müssen noch kommen. Stattdessen trifft man hier auf die erstaunlichsten Figuren, wobei hinsehen verpönt ist, obwohl sich alle nackt bewegen.
95° Celsius hat es in meiner Erdsauna, in der ich es mit Müh’ und Not zehn Minuten lang aushalte, ehe ich kalt, sehr kalt brause und mit einem beherzten Satz in das Abkühlbecken springe – ein Fauxpas, der mir im Folgenden die Kommunikation mit meinen Schwitzgenossen unmöglich machen sollte.
Egal. Meine drei Stunden sind sowieso schon fast vorbei, eilig springe ich unter die Dusche, tapste zu den Umkleiden, zwänge meine noch nassen Füße in zuvor trockene Socken, ärgere mich darüber, dass dieses erstklassige Spa im Gegensatz zu meinem drittklassigen Solarium nicht über eine Minimalausstattung an Pflegeprodukten verfügt und verschwinde in Richtung Ausgang. Zwölf Euro hatte ich beim Hineingehen bezahlt, 14 werde ich nun beim Verlassen los, alles in allem ein entspannter Nachmittag, Urlaub zuhause eben, das werde ich all’ meinen Freunden erzählen, insbesondere denen, die noch nicht da waren…