42. Kulturkonferenz im Rathaus und nur ein Tagesordnungspunkt: Aussprache mit dem Oberbürgermeister
Dieser freute sich über neue Impulse und räumte ein, dass er angenehm überrascht sei, wie reichhaltig die Kulturszene in der Stadt ist. Frei nach dem Motto „da muss man erst OB werden, um zu erfahren, was sich neben den großen kulturellen Flaggschiffen noch an Potential verbirgt.“ Was die Kulturvielfalt anbelangt habe man in Schweinfurt Großstadtniveau, so Remelé; das würden Gäste aus der Ferne immer wieder bestätigen. Der Oberbürgermeister konnte den Kulturschaffenden auch gute Neuigkeiten aus den Finanzhaushaltsdebatten mitbringen. „Am Kultur-Topf “ wurden keine Abstriche gemacht. Die eigentliche Abstimmung ist allerdings erst in der kommende Woche. Remelé signalisierte, dass ihm gerade der kulturelle Bereich sehr am Herzen liege, und auch er sich eingesetzt habe, dass der Etat nicht geschmälert wird. Um ein Zeichen zu setzen, wird am 28. Januar 2011 erstmals wieder der "Preis für Junge Künstler" - an zwei Personen - vergeben.
Im Anschluss dieser Einführung folgte die Fragerunde. Ulrich Phillip vom "Kulturpackt" wollte wissen, ob es einen Kriterienkatalog für Künstler und Kulturschaffende angesichts der Nutzung der Räumlichkeiten im Alten Rathaus gäbe. Regionale Künstler, die nicht unbedingt ‚Unterschlupf’ in der Kulturhalle finden, keinem kommerziellen Interessen unterliegen, aber dennoch über ein künstlerisches Niveau verfügen, sollen dieses Areal nutzen können, so die Aussage von Schneider und Remelé. Peter Wörfel, von der „Gruppe Schweinfurter Künstler" äußerte den Wunsch, ‚seine’ Gruppe wieder im Alten Rathaus seßhaft zu machen. Er befürchtet allerdings einen Qualitätsverlust durch die angesprochene Regelung. „Früher war das Alte Rathaus mal die Gute Stube; 35 Jahre lang hat die Gruppe erfolgreich ihre Arbeiten gezeigt und an die 6.000 Besucher jährlich gezählt.“ Der OB fragte sich, warum Wörfel diese Regelung so negativ sieht. „Über Niveau lässt sich streiten, dennoch möchten wir die Messlatte nicht so hoch hängen. Das wird natürlich auch nicht bedeuten, dass jeder, der einmal einen Pinsel gehalten habe, dort eine Ausstellung konzipieren kann.“
Der Leiter des Schweinfurter Kammerorchesters, Siegfried Henze, wünscht sich im Namen seiner Musiker das musikalische Rahmenprogramm einer offiziellen Stadtveranstaltung gestalten zu dürfen. Thomas Hübner vom Stattbahnhof bemängelte, dass Veranstaltungshinweise über Termine im Stattbahnhof so spärlich in der ‚Stadtkultur’ Platz finden. Matthias Wiedemann vom Schweinfurter Tagblatt bat um mehr Sorgfalt. „Die Fotos sind oftmals von der Webseite der Gruppen herunter geladen und die Infos teilweise verwirrend.“ Das würde die Arbeit der Redakteure erschweren. Anmerkungen und Kritik gab es auch für die Nutzung des neuen Internetauftritts der Stadt. Udo Schulz von der Schweinfurter Autorengruppe bemängelte die Übersichtlichkeit der neuen Seite und schlug Nachbesserungen vor. Jimij Günther vom ‚Kulturpackt’ gab ihm Recht. Die Eingabe und die Orientierung des Login-Bereichs im Veranstaltungskalender falle schwer. „Informieren Sie uns über das Kulturamt“, so Dr. Schneider. Denn dieser "Praxistest" benötige die Kritik der User.
Ein Thema beschäftigte die Anwesenden eine lange Zeit lang. Die Frag,: wie man es schafft, Menschen mit Migrationshintergrund in eine Veranstaltung der heimischen Kulturbetreiber zu bekommen, in der sie in Gegenwart von Menschen aus anderen Kulturkreisen das Angebot wahrnehmen. Eine Problematik, die an diesem Tag nicht gelöst werden konnte; denn nach den Aussagen der Betreiber nehmen unsere ausländischen Mitbürger nur an einer Veranstaltung teil, die aus ihrem Kulturkreis entspringt. Eine Befürchtung, die der OB teilt; er habe den Eindruck, man lebe eher nebeneinander als miteinander. Bürger mit Migrationshintergrund leben auch in Schweinfurt isolierter, wenn sie der deutschen Sprache nicht so mächtig sind. Anders sieht es bei den hier geborenen Kindern und Jugendlichen aus; sie haben keine Hemmschwelle, sprechen die deutsche Sprache und nutzen die Angebote ausgiebig - ob Musikschule oder Bücherei.

Petra K r o l l
Erich V a l t i n
Kerstin W e s t p h a l
Polizei informiert: