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Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel für seine Verdienste mit dem Gambrinus 2010 geehrt - Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder erhielt einen „Ehren-Gambrinus“

Bezirk Unterfranken (30.11.2010)  - Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel ist in Würzburg von der Gemeinschaft Mainfranken Bier mit dem Gambrinus 2010 ausgezeichnet worden. Mit einem „Ehren-Gambrinus“ wurde Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder ausgezeichnet.
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Der Vorsitzende der Gemeinschaft, Karl-Heinz Pritzl, würdigte Dotzel bei der Preisverleihung als einen „Politiker, der viel zum Erhalt der Schönheiten Unterfrankens beigetragen hat“. Der Bezirk Unterfranken tue unter seiner Führung für Heimat und Kultur mehr als andere Gebietskörperschaften und lege einen besonderen Schwerpunkt auf den Erhalt von Brauchtum und Volkskultur. Dazu gehöre auch die regionale Wirtshauskultur. Mit einem „Ehren-Gambrinus“ wurde Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder ausgezeichnet. „Vieles von dem, was der Bezirk plant und finanziert, könnte ohne die Arbeit von Klaus Reder nicht so vorbildlich umgesetzt werden“, sagte Pritzl.

In seiner mit Augenzwinkern gehalten Ansprache sagte Dotzel in Anspielung auf das bekannte Zitat, wonach die Deutschen ein „Volk der Dichter und Denker“ seien, dass es unter Dichtern und Denkern viele Biertrinker gebe. Als prominente Zeugen dafür zitierte der neue Gambrinus-Preisträger unter anderen Heinrich Heine. Dies zeige nach Ansicht Dotzels, dass „Dichten, Denken und Trinken“ oft miteinander verwoben seien. Thomas Mann zum Beispiel, der sagte: „Ich trinke täglich zum Abendbrot ein Glas helles Bier und reagiere auf diese anderthalb Quart so stark, dass sie regelmäßig meine Verfassung dadurch verändern. Sie verschaffen mir Abruhe, Abspannung und Lehnstuhlbehagen.“ Oder William Shakespeare, der schrieb: „Denn eine Kanne Bier – das ist ein Königstrank.“ Oder Heinrich Heine, der reimte: „Ebenfalls, so schäumet hier, Geist und Phantasie anregend, holder Bock, das beste Bier.“ Auch Karl-Heinz Pritzl, den Vorsitzenden der Gemeinschaft Mainfranken Bier, könnten wir seit seinem eben gehörten Grußwort in diese Reihe bekennender Bier-Poeten und Bier-Liebhaber einreihen. "Wir sehen: Dichten, Denken und Trinken sind eng miteinander verwoben. Was eigentlich nicht überraschen kann. Durst hatten die Menschen schon immer. Früher vielleicht noch mehr als heute, weil einst so ziemlich alles schweißtreibend und Durst erzeugend war, was die Menschen trieben: das Brotverdienen, die Jagd auf wilde Tiere und nicht zu vergessen: die weiten Fußmärsche, um voranzukommen. Die längste Zeit ihrer Geschichte musste die Menschheit ihren Durst allerdings mit Wasser löschen – was nicht ungefährlich ist, wenn man an den tragischen Tod des germanischen Helden Siegfried aus der Nibelungensage denkt. Der wurde bekanntlich vom finstren Hagen gemeuchelt, als er an einer Quelle niederkniete, um seinen Durst mit Wasser zu löschen."Freilich bedeutet dies zugleich: Bier ist keine bayerische Erfindung. Bier ist noch nicht einmal eine deutsche Erfindung. Wir haben es hier mit einem kulturgeschichtlichen Versäumnis erster Güte zu tun, das da unseren Altvorderen unterlaufen ist! Was haben die Deutschen nicht alles erfunden! Philipp Reis ersann 1859 das Telefon. Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte 1895 die nach ihm benannten Strahlen. Otto Lilienthal gelang 1894 der erste Segelflug. Josef Schmidt erfand 1907 das Mensch-ärgere-Dich- nicht-Spiel und Hans Riegel 1922 die Gummibärchen. Die Deutschen sind das Volk der Dichter und Denker und der Daniel Düsentriebs. Nur das Bier haben sie nicht erfunden! Die Ehre, diesen Geistesblitz als Erste gehabt zu haben, müssen wir den alten Völkern im Nahen Osten überlassen. Aber wir tun dies ohne Gram. Auch wenn es sich bei Bier um ein ideengeschichtliches Importgut handelt, haben wir es im Trinken zu wahrer Meisterschaft gebracht. Ein deutliches Indiz für die uns innewohnende kulinarische Toleranz. In Deutschland wird daher bedeutend mehr Bier getrunken als Milch oder Apfelsaft. Neunzig Prozent aller Deutschen trinken gelegentlich oder auch öfter Bier. Und wir Bayern marschieren – wie immer – auch hier an der Spitze des Fortschritts. Das hat mit Sicherheit damit zu tun, dass es relativ gesehen – nirgendwo mehr Brauereien gibt als in Deutschland. Jede zweite deutsche Brauerei steht in Bayern! Gemessen an der Einwohnerzahl ist Bayern auch in Sachen Bier-Ausstoß die Nummer eins," so der Bezirkstagspräsident.

Die Kunst des Bierbrauens hänge eng mit der Kulturgeschichte zusammen, sagte Dotzel weiter. Viel zu wenig sei zum Beispiel bekannt, dass im unterfränkischen Münnerstadt bereits im Jahre 1381 Bier gebraut wurde. Und die erste Fracht, die 1836 zwischen Nürnberg und Fürth mit der Eisenbahn transportiert wurde, habe aus zwei Fässern Bier bestanden. „Ob der so transportierte Gerstensaft aus Mainfranken stammte, ist indes nicht überliefert. Wundern würde es mich nicht!“, sagte der Bezirkstagspräsident unter dem Applaus der Zuhörer. Bier sei ein köstliches Vergnügen, aber eben auch ein wichtiges Stück regionale Kultur. „Die in der Gemeinschaft Mainfrankenbier zusammengeschlossenen Brauereien verkörpern für mich nicht nur erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen, sondern auch heimische, unterfränkische Identität“, betonte der neue Gambrinus-Preisträger. "An dieser Stelle darf ich Ihnen gestehen, dass ich seit meiner Jugend in Theres dem Bierbrauen verbunden bin. Im Ortsteil Buch steht nämlich seit mehr als 300 Jahren ein Brauhaus, in dem die Bucher Bürger seit Generationen süffiges, wohlschmeckendes Bier brauen. Ich selbst habe meinen Vater regelmäßig ins Bucher Brauhaus begleitet."

"Bekanntlich sind in Deutschland Revolutionen streng verboten, weswegen hierzulande die Menschen höchst selten auf die Barrikaden gehen – außer es dreht sich um den geschätzten Gerstensaft. So geschehen am 1. März 1844, als Bayern-König Ludwig per Erlass den staatlich festgesetzten Bierpreis um einen Pfennig erhöhte. Die vorausgegangene Brotpreiserhöhung hatten die Menschen noch brav hingenommen. Aber nun entlud sich der Volkszorn mit ganzer Macht. Zweitausend Bürger stürmten die Münchner Brauereien. Das Militär weigerte sich, gegen die Aufständischen vorzugehen. Fünf Tage später lenkte der König schließlich ein und nahm die Bierpreiserhöhung zurück. Wir sehen: Bier und Geschichte lassen sich nicht trennen. Eine ganz kecke Geschichte hat uns der in Niederbayern geborene Historiker und Hofhistoriograph Johannes Aventinus eingeschenkt. Er berichtet in seinen 1519 geschriebenen „Annales Baiorum“ von einem gewissen Gambrinus, der in vorchristlicher Zeit als Sohn des Germanen-Königs Marsus das Licht der Welt erblickt und im Jahr 1730 vor Christus Isis, die altägyptische Göttin der Mutterschaft und Fruchtbarkeit, geheiratet haben soll. Von dieser Göttin habe Gambrinus das Brauer-Handwerk erlernt, schrieb Aventinus vor knapp 500 Jahren. Nun ist es immer so eine Sache, ob man den Geschichtsschreibern und Geschichten- schreibern glauben soll oder nicht. Ich habe ohnehin meine eigene Interpretation. Ich meine, Aventinus wollte uns sagen, dass ein so herrliches Getränk wie Bier nur mit himmlischem Beistand entstehen konnte. Und es ist mir eine große Ehre, heute einen Preis entgegenzunehmen, der den Namen des legendären König Gambrinus trägt."

Der Gemeinschaft Mainfranken Bier gehören neun Brauereien in den Regionen Würzburg und Main-Rhön an. Der Zusammenschluss besteht seit 1986. Den Gambrinus verleiht die Gemeinschaft seit 1987. Vor Dotzel wurden 17 Preisträger ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr erhielt der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon die begehrte Trophäe.

"Ich bevorzuge mainfränkisches Bier, weil mainfränkisches Bier für Regionalität steht, weil es für unsere Heimat steht, weil es für Individualität steht! Eine unterfränkische Brauerei hat auf ihren Bierdeckeln den Satz stehen", so Dotzel. "Unser Bier ist international völlig unbekannt, national unbedeutend, aber regional der Hammer!“ Damit ist eigentlich alles gesagt: Wir haben genug vom Einheitsbrei und vom Einheitsgrau und vom Einheitsbier. Wir alle sehnen uns nach dem, was typisch ist und was unsere Heimat auszeichnet. Daran wird mich künftig dieser aus Holz geschnitzte König Gambrinus erinnern. Oder um es frei mit den Worten von William Shakespeare zu sagen: „Denn eine Kanne Mainfranken-Bier – das ist ein Königstrank“.

Unser Foto oben zeigt (v. links) Karl-Heinz Pritzl (Vors. Gemeinschaft Mainfranken-Bier), Heimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder sowie den ausgezeichneten Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel.

Karin L u d w i g



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