Beschäftigte bei EDS werben beim Kunden SKF um Unterstützung
Um 11:15 Uhr zogen die Streikenden zum SKF Verwaltungsgebäude um dort den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat einen Brief zu überreichen, welcher anschließend in der Sitzung des Aufsichtsrates vom stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Völkl im Rahmen der Tagesordnung verlesen wurde. Ziel der Aktion der EDS´ler war es, bei der Geschäftsführung Ihres Hauptkunden SKF um Verständnis zu werben und um Unterstützung zu bitten. Die Streikenden wollten deutlich machen, dass die Geschäftsleitung von EDS mit Ihrer Verweigerungshaltung die Verantwortung für die Eskalation des Konfliktes und die Beeinträchtigung bei den Kunden trägt.
Nach der Briefübergabe trafen sich die ca. 35 Streikenden am Schillerplatz um bei Passanten Unterschriften gegen den Personalabbau zu sammeln, die dann am morgigen Dienstag der Geschäftsführung im Rahmen der Verhandlungen in der Einigungsstelle übergeben werden sollen. Die Aktion stößt in Schweinfurt auf große Resonanz. Seit Freitag wurden bereits über 1400 Unterschriften gesammelt!
Ähnliche Aktionen fanden bundesweit an weiteren Standorten der EDS OS GmbH statt. Sie bildeten den Auftakt für die Streikaktionen in dieser Woche. In dieser Woche werden am 23. und 24. Juni 2009 auch die Verhandlungen zwischen der Arbeitnehmervertretung und der Geschäftsführung in der Einigungsstelle fortgesetzt. Dort wird über den geplanten Personalabbau und die Integration von EDS in Hewlett-Packard verhandelt werden.
„Die Arbeitgeber haben sich noch keinen Millimeter bewegt. Nur der Druck der Streikenden wird Bewegung in die Verhandlungen bringen." erklärte Juan-Carlos Rio Antas von der IG Metall, „Die Geschäftsführungen von EDS und HP müssen begreifen, dass eine Verschärfung des Arbeitskampfs nur zu verhindern ist, wenn endlich Bewegung in die Verhandlungen kommt".
„Dass EDS die Produktion bei Ihren Kunden wie z. B. Opel, Sal. Oppenheim, Arcelor, SKF, Kraft, ABN-AmRo, Deka-Bank gefährdet, statt endlich über einen Tarifvertrag zu verhandeln, ist völlig unverständlich und absurd", erklärte Thomas Müller von ver.di. „EDS spielt ein gefährliches Spiel."
Bisher haben sich an allen Streiktagen ca. 1.000 Beschäftigte beteiligt, mit steigender Tendenz. Auch die Zuversicht bei den Streikenden nimmt zu: „Ihr könnt uns solange nicht ignorieren, wie wir kämpfen können" so der Wortlaut eines Transparents vor Ort.
Unterdessen kam es am Wochenende in Schweinfurt angeblich wieder zu einem gezielten Versuch der Geschäftsführung den Streik zu unterwandern. So wurde einem ehemaligen Kollegen telefonisch von einem EDS Manager auf die Dauer von ca. zwei Wochen ein Tageslohn von 1.500 Euro angeboten, wenn dieser Streikberecherarbeiten erledigen und Betriebsfremde einlernen würde. Nach Auskunft des Betriebsrats lehnte der Kollege das unmoralische Angebot mit der Aussage ab, dass er seinen Kollegen nicht in den Rücken fallen werde.
Die Gewerkschaften IG Metall und ver.di fordern einen Tarifvertrag über Beschäftigungssicherung, Arbeitsbedingungen und eine Entgelterhöhung. Im Dezember 2008 hatten sie die EDS Operations Services GmbH aufgefordert, in Verhandlungen einzutreten. Seit Anfang Februar 2009 fanden bereits mehrere Warnstreiks der EDS-Beschäftigten mit hoher Beteiligung statt und vor Pfingsten hatten sich in einer Urabstimmung 91,9 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder im Unternehmen für einen Streik, zur Durchsetzung Ihrer Forderungen ausgesprochen.
EDS hatte nach der Übernahme durch Hewlett Packard im Oktober den Abbau von 1150 Arbeitsplätzen angekündigt, um die von HP gewünschte Rendite erzielen zu können. Bei der EDS OS GmbH sollen nach den Plänen der Geschäftsführung 839 Arbeitsplätze wegfallen. Auch Standortschließungen in Leuna, Ludwigsburg, Essen, Wuppertal und Köln sind geplant.



