Agentur für Arbeit: "Superjahr 2008 ist Geschichte" - Trendwende erkennbar - Kurzarbeit wird 15.000 bis 20.000 Menschen in der Region betreffen
Das Thema "Kurzarbeit" überlagerte das heutige Pressegespräch, obwohl doch eigentlich "good news" auf dem Programm standen - der Rückblick auf 2008 nämlich, "ein Superjahr für den Arbeitsmarkt, das leider schon wieder Geschichte ist" (Stelzer). Nur eine Zahl aus dem Finanzetat der Arbeitsagentur mag diesen Sachverhalt verdeutlichen: Im gesamten Jahr 2008 wurden 900.000 Euro "Kurzarbeitergeld" aus Agenturmitteln über die Firmen an die betroffenen Mitarbeiter gezahlt. Alleine im Monat Januar 2009 wurden für diesen Zweck schon 370.000 Euro benötigt - knapp 40 Prozent des letztjährigen Aufkommens also. Derzeit sind laut dem zuständigen Bereichsleiter Gerald Kaiser (im Foto unten neben Stelzer) in der Region 5.000 Menschen bei 90 betroffenen Firmen in Kurzarbeit. Stelzer rechnet mit 15.000 bis 20.000 Beschäftigten im Jahresverlauf.
Primäres Ziel sei es, "die Beschäftigungsverhältnisse in dieser Situation zu stabilisieren", wozu auch die beschlossenen Neuregelungen des zweiten Konjunkturpaketes beitragen würden: die Senkung des bei Kurzarbeitsverhältnissen zu zahlenden Arbeigeberanteils zur Sozialversicherung um 50 Prozent und die Möglichkeit, Menschen in Kurzarbeit zusätzlich und durch die Agentur finanziert weiter zu bilden. Allerdings: "Derzeit warten wir noch auf die Ausführungsbestimmungen - und dann wird es bei den Betrieben einen gewaltigen Informationsbedarf geben", so Gerald Kaiser.
Wie es aktuell auf dem Arbeitsmarkt aussieht, darüber wurde natürlich auch gesprochen. Die Januar-Arbeitslosenquote nimmt sich mit 5,2 Prozent in der Region und bayernweit 5,0 Prozent grundsätzlich noch vergleichsweise positiv aus; immerhin lag sie im Januar 2008 noch etwas höher. Allerdings stieg die Quote gegenüber Dezember (4,2 %) um einen ganzen Prozentpunkt, wobei Thomas Stelzer "50 Prozent saisonalen, aber auch 50 Prozent konjunkturellen Einflüssen" zurechnet. Diese grundsätzliche Trendwende auf dem Arbeitsmarkt hatte sich im guten Jahr 2008 prinzipiell schon abgezeichnet: Die Zahl der Stellenangebote in der Vermittlung - ein guter Frühindikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes - war das gesamte Jahr über im Vorjahresvergleich immer mehr zurück gegangen. Im dritten Quartal dann der erste große Einbruch: 2.870 Stellenangebote 2008 standen noch 3.310 Stellenangeboten im dritten Quartal 2007 gegenüber - und Ende des Jahres waren es gar nur noch 2.047 gegenüber 2.694 im Dezember 2007.
Wobei es auch in der aktuellen Situation durchaus positive Aspekte gibt, wie der Agenturchef verdeutlicht: "Unsere Vermittlungszahlen waren im Januar durchaus gut - wir konnten 100 Menschen mehr in Beschäftigung bringen, als im Dezember." Will heißen: Es ist viel Dynamik im Arbeitsmarkt und Fachkräfte mit einer soliden Ausbildung und Berufserfahrung lassen sich oft auch nach einem Verlust des Arbeitsplatzes schnell wieder vermitteln. Und: Auch wenn der Trend alles andere als positiv sei, habe man zu den Horrorzahlen früherer Jahre noch viel Luft. Deutlich wird dies insbesondere beim Vergleich der Zahlen aus 2006 bis 2008 - von kleinen saisonalen Effekten einmal abgesehen sank die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit kontinuierlich. Das "Rekordtief" erreichte man in der Region Main-Rhön im Oktober 2008, als nur noch 8.854 Menschen arbeitslos gemeldet waren und die Quote von 3,7 Prozent an die Zeiten des Wirtschaftswunders erinnerte. Schnell wird man dahin wohl nicht zurückkehren können - aber man verfügt über Instrumente, den Arbeitsmarkt zu steuern und die Effekte des konjunkturellen Einbruchs abzumildern...

Petra K r o l l
Erich V a l t i n
Kerstin W e s t p h a l
Polizei informiert:
Schweinfurt (29.1.2009) - "Ich gehe davon aus, dass nahezu alle großen Betriebe in der Region Main-Rhön in Kurzarbeit gehen werden", kündigte der Chef der hiesigen Agentur für Arbeit, Thomas Stelzer (Foto), heute im Rahmen des monatlichen Pressegesprächs an. Und dies sei auch gut so: "Die Kurzarbeit ist ein hoch wirksames Instrument der Arbeitsmarktpolitik, um das uns viele Länder beneiden." Wer kurzarbeite, verliere nicht seinen Arbeitsplatz - und auch die Betriebe könnten diese Mitarbeiter bei den ersten Zeichen des Aufschwungs schnell wieder reaktivieren. Außerdem: "Wenn die Unternehmen Kurzarbeit anmelden, zeigt das, dass sie von einem vorübergehenden Auftragsmangel ausgehen - da ist also irgendwo Licht am Ende des Tunnels..."