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Schweinfurt: Schwarzgelber als der Rest der Republik - FDP "feiert" im Rathaus - Linke Partymeile am Bergl

Schweinfurt (27.9.2009) - Drei Impressionen vom Wahlabend in Schweinfurt: 18.15 Uhr, Großer Sitzungssaal des Rathauses - Ein Dutzend FDPler warten nach der Prognose auf die erste Hochrechnung auf dem großen Flachbildschirm; Vertreter anderer Parteien (zu diesem Zeitpunkt): Fehlanzeige. 19.00 Uhr, Kulurzentrum der Aleviten am Bergl: Eine Hundertschaft LINKEr feiert ausgelassen das bundesweit gute, in Schweinfurt sehr gute Abschneiden der Dunkelroten; draußen brutzelt Fleisch am Spieß, drinnen sorgen lokale Ergebnisse auf der Großleinwand für Hochstimmung. 19.30 Uhr, Hotel Mercure, Maininsel: Michael Glos ist entspannt, gibt Interviews am Telefon, plaudert und scherzt mit Parteifreunden; Schwarzgelb ist sicher, sein Wiedereinzug in den Bundestag ebenfalls.
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In der Kerscheinsteiner Schule gab es heute ein Wahllokal, das bundesweit "repräsentativ" war und deshalb zur Ermittlung der Prognosen herangezogen wurde, die den Ungeduldigen schon um 18 Uhr - unmittelbar nach Schließung der Wahllokale - einen ziemlich präzisen Anhaltspunkt geben, wie die Wahl ausgegangen ist. Beinahe gilt dies auch für ganz Schweinfurt - mit Ausnahme des deutlich besseren Abschneidens der CSU und des etwas weniger guten Abschneidens der FDP. Repräsentativ ist Schweinfurt deshalb eher für den Freistaat Bayern, was auch Michael Glos weiß: "Ohne mein genaues Ergebnis zu kennen, werden wir wohl ziemlich exakt im Bayern-Trend liegen", meint der neue und alte Wahlkreisabgeordnete, der einen entspannten Abend hat. Sein Erststimmenergebnis ist gut, liegt in der Stadt bei 41,52 Prozent, im Wahlkreis Schweinfurt-Kitzingen bei 46,4 Prozent. Acht Prozentpunkte schlechter zwar als vor vier Jahren, aber es reicht dicke...

Dagmar Wöhrl hat in ihrem Wahlkreis (Nürnberg-Nord) nur 36,6 Prozent erreicht - die Franken strafen alle CSUler konsequent ab für deren Parteichef, den nicht eben beliebten Oberbayern Seehofer. "Er hat sich in diesem Wahlkampf nicht als Zugpferd erwiesen; seine ständig wechselnden Positionen haben die Wähler irritiert, sein Eindreschen auf die FDP war grundfalsch", spart Glos nicht mit Kritik. Er ist jetzt ein "Weißer Elefant", unantastbar, nicht in der Partei und nicht im Bundestag. Immerhin: Sein Erststimmenergebnis ist besser als das Gesamtabschneiden der CSU im Wahlkreis (43,2 Prozent) und in der Stadt Schweinfurt (37,08 Prozent). Wie geht es in Berlin weiter? "Zwei oder drei Ministerämter" glaubt Glos der geschwächten CSU in der schwarzgelben Koalition sicher; ob Guttenberg wieder im Wirtschaftsministerium landen wird, hält er für fraglich: "Wenn die FDP dieses Amt will, wird sie es wohl bekommen..." Und für Guttenberg bliebe das Verteidigungsministerium.

Frank Firsching muss laut sprechen. Die Feier der LINKEN am Bergl ähnelt einer Fußball-Partymeile - draußen Pavillons, es wird gegrillt; drinnen Beamer und Leinwand, ständig wechselnde Ergebnisse aus Stadt und Land. Rund 6,5 Prozent hat der Schweinfurter Spitzenkandidat Klaus Ernst bayernweit für seine Partei eingefahren - in der Stadt Schweinfurt 15,56 Prozent Erst- bzw. 13,76 Prozent Zweitstimmen. "Wir rücken immer näher heran an die SPD - in vier Jahren sind wir vorbei", orakelt Firsching halb ernst, halb im Spaß. Mit dem lokalen Ergebnis ist er zufrieden, das bundesweite macht ihm Angst: "Jetzt werden die Arbeitnehmer die Zeche aus der Finanzkrise zahlen müssen." Klaus Ernst wird telefonisch über die Schweinfurter Resultate informiert - er ist in Berlin, später im ZDF zu sehen, eine große Nummer...

Hendrik Lindemann und der Rest der Schweinfurter FDP "zeigt Flagge". Der Große Sitzungssaal des Rathauses ist fest in liberaler Hand, ein FDPler regelt sogar die Lautstärke des Fernsehers. Aber man weiß noch nicht, ob man jubeln darf, wenn die Ergebnisse der Hochrechnungen gezeigt werden. Es klappt erst auf Kommando der anwesenden Fotografen. Lindemanns Schweinfurter Erststimmenergebnis ist mit 7,72 Prozent nicht gar so toll, aber viel, viel besser, als Marianne Blanks Abschneiden vor vier Jahren. Und mit satten 11,33 Prozent fährt die FDP auch in Schweinfurt ein denkwürdiges Zweitstimmenergebnis ein. Als Gudrun Grieser ihr Reich betritt - schwarze Hose, gelbe Jacke - sind die Liberalen sogleich an ihrer Seite. Man plaudert, freut sich, lässt erst ab, als die OB auf Westerwelles TV-Auftritt verweist: "... Euer Chef spricht!"

Die SPD hat Marianne Firsching ins Rathaus geschickt - oder sie kam aus eigenem Antrieb vorbei. Ansonsten zeigt die früher führende politische Kraft in Schweinfurt hier nicht Flagge. Die Erst- und Zweitstimmenverluste der Sozialdemokraten lagen hier mit jeweils über elf Prozent im Bundesdurchschnitt. Direktkandidat Frank Hofmann schneidet mit 23,08 Prozent etwas besser ab, als die Partei (21,69 Prozent). Und die Grünen? Sie haben zugelegt, erobern 9,02 Prozent der Zweitstimmen, die Bezirkssprecherin Ayfer Fuchs ist an diesem Abend aber zu betroffen vom Bundestrend, als dass sie sich über den lokalen Erfolg freuen könnte. Interessant noch: In Schweinfurt haben die PIRATEN 2,11 Prozent der Stimmen geholt, sind sechststärkste Kraft - und so verrückt sie sich auch gerieren: Es ist gut, dass sie damit auch NPD und REPs deutlich in die Schranken weisen...

Holger Laschka (SWEX.DE)

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