Hohe Tiere beim Abschluss des Schweinfurter OB-Wahlkampfes: Guttenbergs Freiluft-Auftritt und Lafontains gewohntes Schimpfen
Die Temperaturen nahe des Gefrierpunktes änderten nichts daran, dass der erst 38 Jahre alte von Guttenberg sein Freiluftprogramm durchzog. Begrüßt vom nicht viel älteren Remelé wurde er vor dem Rathaus - im Beisein der nahezu gesamten lokalen CSU-Gesichter wie Hans-Gerhard Stockinger, Anja Weisgerber, Michael Glos oder den Rathaus- bzw. Stadtratsfraktion-Größen Otto Wirth und Stefan Funk. Danach ging´s teils flotten Schrittes durch die Fußgängerzone, wobei so manche Plauderei, mit Medien genauso wie mit Passanten, den Bundespolitiker und seine Begleiter aufhielten. Bewusst gewählt war der Stopp am Café am Albrecht-Dürer-Platz. Beim Espresso sorgten die Fotografen für ein wahres Blitzlichtgewitter. So als wäre es DER Schnappschuss, einen Verteidigungsminister beim Trinken zu knipsen. Um die
70 Gefolgsleute begleiteten von Guttenberg und Co. schließlich weiter in Richtung Schweinfurts modernisierten Westen, danach ging es zurück zum Postplatz, wo die Dunkelheit schon einbrach, als die Reden erklangen. "Fränkischen Nationalstolz" brachte der Oberfranke mit, der extra eine Berliner Woche unterbrach, um Remelé seine Unterstützung zu versichern. Der gute Draht in die Hauptstadt soll dem CSU-Kandidaten gewiss sein, wenn er am Sonntag mit dem Einzug in eine wahrscheinliche Stichwahl den ersten Schritt machen würde, um den Rathaus-Sessel zu besteigen. Als Nachfolger der heute 63 Jahre alt werdenden Gudrun Grieser, die beim Besuch nicht anwesend war.
Diese Stichwahl zu erreichen, das ist sicher der Traum von Frank Firsching. Oskar Lafontaine wiederholte die bereits kund getane Ansicht des 45-Jährigen, wonach ein Linker als OB in Schweinfurt einen Massentourismus verursachen könnte. Weil dann die Neugierde groß wäre, wie Firsching das wohl geschafft hätte. Einige Plätze im warmen Naturfreundehaus blieben zwar leer, als der 66-Jährige sprach. Standing Ovations und "Oskar"-Rufe freilich waren die Folge der immerhin rund 200 Anwesenden nach der gewohnt deutlichen Rede Lafontains, der nach Firsching und Klaus Ernst an die Reihe kam. Firsching sprach mit Brille am Pult, an dem sein Wahlplakat hing, auf dem der Linke keine Brille trägt und somit ein bisschen jugendlicher wirkt. Frischen Wind ins Rathaus bringen würde DGB-Mann Firsching mit Sicherheit, dass er "der richtige Kandidat für die falsche Partei" sei, eine ihm oft zugetragene Ansicht, widersprach er vehement. "Ein Programm vom linken Herzen" erkannte Oskar Lafontaine und wetterte, schimpfte wie immer gegen die regierenden Parteien, aber auch gegen Grüne und mit großer Freude gegen die SPD. Nichts anderes war zu erwarten, nichts anderes aber wollten die Anwesenden auch hören.



