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"Kann sein, dass der Papa verliert!" Sebastian Remelés Kinder waren gewarnt; letztlich aber befindet sich der Schweinfurter CSU-Kandidat seit Sonntag eindeutig auf dem Weg in Richtung Rathaus-Chefsessel - Stichwahl am 21.03. gegen Kathi Petersen

Schweinfurt (07.03.2010) - 40.700 Stimmberechtigte, 58 Stimmbezirke, dazu die Briefwahl: Am Sonntag verpuffte aber die Spannung bei der zur Wahl zum neuen Oberbürgermeister Schweinfurts. Denn schon frühzeitig war klar, dass der CSU-Mann Sebastian Remelé (im Bild mit dem Ehepaar Grieser bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse in der Rathausdiele) ein überragendes Ergebnis würde einfahren, wohl aber nicht die 50-Prozent-Hürde im ersten Anlauf übertreffen können. Somit kommt es am 21. März zu einer Stichwahl gegen Kathi Petersen (SPD), die einsam auf Rang zwei landete, mit ihren 19,21 Prozent aber irgendwie nicht unbedingt so richtig zufrieden war.

Lesen Sie bitte auch unseren Kommentar zur Wahl im SWEXLOG.

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VON DER SCHWEINFURTER OB-WAHL BERICHTEN
MICHAEL HORLING UND HOLGER LASCHKA

Zumindest distanzierte sie damit Stefan Labus (Schweinfurter Liste, 9,88 %), Frank Firsching (Linke, 9,50 %), Christiane Michal-Zaiser (proschweinfurt, 8,21 %) und Marc-Dominic Boberg (Grüne, 6,76 %) um Längen. "Wir hatten fest mit 25 Prozent gerechnet", gibt Werner Bonengel zu, der als SPD-Kandidat 1992 die Wahl gegen die damalige Außenseiterin Gudrun Grieser verloren hatte. Lange Gesichter also bei den Sozialdemokraten, trotz Kathi Petersen (Foto beim Betreten der Rathausdiele) in der Verlängerung der OB-Wahlen, wenn es nun "Schwarz gegen Rot" heißt. Noch gedrückter aber wirkten die anderen vier Bewerber, von denen man eigentlich allen mehr als nur ein einstelliges Resultat zugetraut hatte. Bei 47,55 Prozent lag die (recht geringe) Wahlbeteiligung. Die Hälfte aller berechtigten, diesmal aber nicht an die Urne getretenen Schweinfurter zu mobilisieren - das ist die Aufgabe von Kathi Petersen in den nächsten Tagen. Verbunden mit der Hoffnung, dass andere Wähler der vier Geschlagenen vielleicht zu ihr überschwenken.

Der eindeutige Sieger des Tages hieß jedoch Sebastian Remelé mit schier unglaublichen, in jedem Fall aber unerwarteten 46,44 Prozent aller Stimmen. Der Rechtsanwalt und vierfache Vater konnte sein Glück kaum fassen, wurde von Interviewwünschen nahezu erdrückt und genoss das Bad in der Menge der lokalen CSU-Prominenz um die Europaabgeordnete Anja Weisgerber. "Ich bin nahezu sprachlos, das übertrifft meine kühnsten Erwartungen", strahlte der nun eindeutige Favorit auf den Sessel im Rathaus. Zwischenzeitlich, als er sogar mal Richtung 50 Prozent zu marschieren schien und noch nicht alle Wahlbezirke ausgezählt waren, meinte Remelé gar: "Da könnte man jetzt doch noch eine Schippe drauflegen, dann sparen wir uns die Stichwahl!"

Rund 200 Neugierige verfolgten in der Rathausdiele die Auszählung bzw. Bekanntgabe. Allerdings weitestgehend ohne Emotionen. Es ging ruhig zu, weil es wenig spannend war. Und weil Staunen vorherrschte über das doch unerwartete Resultat. Erst bei der Vermeldung des Endergebnisses gab es großen Applaus für Sebastian Remelé. Auch von der amtierenden Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser, die von Beginn an anwesend war und deren Gatte Utho eine "High Noon"-Krawatte trug - mit einer Western-Schießszene, die auch bei der Stichwahl in 14 Tagen nochmals zum Einsatz kommen soll. Denn nun dauert es noch bis 21. März, ehe Griesers Nachfolger(in) feststeht. Und erst Ende April wird sie das Amt dann endgültig abgeben. Nach 18 Jahren Dienst vermutlich CSU-intern...

SWEX sammelte Stimmen und Bewertungen gleich nach der Auszählung: Für Stefan Funk, den Fraktionvorsitzenden der CSU, war es klar, dass die Schweinfurter einen Kandidaten wollten, "der seine programatischen Vorstellungen auch umsetzen kann. Sebastian Remelé hat 18 starke Stadträte hinter sich. Die Schlacht geht nun zwar wieder bei Null los, unsere Ausgangslage ist aber gut!" Kathi Petersen freute sich, dass es für die Stichwahl reichte, war mit ihrem Ergebnis gar nicht so unzufrieden, allerdings mit der Wahlbeteiligung. Die parteifreien Kandidaten hätten letztenendlich für weitere Parteiverdrossenheit gesorgt, so Schaden angerichtet. Petersen zielte dabei auf den Slogan der geschlagenen Christiane Michal-Zaiser, die auf die Plakate schreiben ließ, dass Schweinfurt den Bürgern gehöre - und nicht den Parteien. Für Joachim Schmidl, Fraktionsvorsitzender der SPD, sei es nun vor allem wichtig, die Nichtwähler zu mobilisieren. Außer von Seiten der Grünen erwartet er für Petersen keine Wahlempfehlung der geschlagenen Kandidaten. Schmidl erinnerte aber an eine ähnliche Ausgangslage bei den OB-Wahlen in Würzburg, wo in der Stichwahl der SPD-Mann Georg Rosenthal die CSU-Amtsinhaberin Pia Beckmann noch überflügelte.

Remelés Gattin Monika berichtete von einem angenehmen Sonntag, der mit einem Brunch mit den Kommunionkindern bei Peter & Paul begann, sich mit dem Kaffeetrinken bei der Kolpingsfamilie fortsetzte. "Dieses Umfeld prägt uns und holt uns immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen", sagte sie und verglich für ihre Kinder die Kandidatur des Vaters mit einer Klassensprecherwahl. "Kann aber sein, dass der Papa verliert", will sie gesagt haben. Nun aber sei die Freude bei den Kindern groß, "auch wenn sie die Dimension des Ganzen vermutlich noch nicht erahnen können".

Schwer enttäuscht: Christiane Michal-Zaiser. "Ich hatte eindeutig mehr erwartet, hatte mit Platz zwei oder drei gerechnet!" Mit Schuld an ihrem Rang fünf habe die Finanzkraft der Großen gehabt. Ob sie für Sebastian Remelé eine Wahlempfehlung abgeben wird? "Das überlege ich noch!" Enttäuscht war auch Joachim Schmidl. Weil nur Kathi Petersen, Sebastian Remelé und Christiane Michal-Zaiser sich im Rathaus blicken ließen. Die anderen drei Kandidaten weilten bei einer Livesendung des Regionalfernsehens. Als sie dann gegen 19.30 Uhr im Rathaus erschienen, hatte sich die dortige "Wahlgesellschaft" schon weitgehend aufgelöst. Alle "Geschlagenen" gratulierten noch dem klaren Sieger Sebastian Remelé und ganz gegen die Erwartungen der SPD gab es spontan gleich zwei Wahlempfehlungen.

Denn Frank Firsching ("Ich kann nur für mich, nicht für meine Partei sprechen...") empfiehlt seinen Wählern "ganz klar die Wahl von Kathi Petersen, weil sich unsere Programme weitgehend decken und weil ich mir im Rathaus einen politischen Wechsel wünsche." Und auch der Grüne Marc-Dominic Boberg rät seinen Wählern, ihr Kreuzchen beim nächsten Mal vor den Namen der SPD-Kandidatin zu setzen. Während Firsching mit seinem Resultat nicht vollends unzufrieden ist ("Wir sind um 0,5 Prozentpunkte hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben.") ist Boberg extrem enttäuscht. "Ich wollte in die Stichwahl, zumindest aber ein zweistelliges Ergebnis erreichen. Dass ich nun auch noch Letzter bin, ist eine große persönliche Enttäuschung."

Boberg will nun wieder mehr radfahren und schwimmen - SWL-Kandidat Stefan Labus wird sich politisch verstärkt der Stadtratsarbeit widmen und sich "jetzt endgültig nicht mehr auf eine weitere Wahl vorbereiten." Die OB-Wahl hatte er "als meine letzte Chance auf eine politische Karriere" gesehen, jetzt gilt seine Aufmerksamkeit wieder verstärkt dem Sozialen, der Firma und natürlich auch der Familie. Auch von ihm wird es eine Wahlempfehlung für die Stichwahl geben, allerdings erst nach dem morgigen Abend, wenn das SWL-Team zur Wahlanalyse zusammentreffen wird. Gegen 20 Uhr löste sich das geschehen in der Schweinfurter Rathausdiele auf - einige der Kandidaten und deren helfer zogen sich auf ihre Wahlpartys zurück, die SPD feierte dabei den wenn auch dürftigen Erfolg in einer Weinstube in unmittelbarer Rathausnähe und signalisierte damit, dass sie das Objekt der Begierde keinesfalls aus den Augen verlieren will...

Der SWEX.DE Wahlticker - so lief der Abend im Rathaus:

19.15 Uhr: Dranbleiben, liebe Leser! Denn natürlich legt auch SWEX.DE nochmals gehörig nach und berichtet im Verlauf der nächsten Stunden mit Bildern über Emotionen und mit Worten über Glücksgefühle und Enttäuschungen dieser doch völlig unerwarteten OB-Wahl.

18.51 Uhr: Fakten, Fakten, Fakten: 46,44 % sind es für Sebastian Remelé (CSU) nach allen ausgezählten 58 Wahlbezirken. Kathi Petersen (SPD) kommt auf 19,21 %. Stefan Labus (9,88) und Frank Firsching (9,50) bleiben wie auch Christiane Michal-Zaiser (8,21) und Marc-Dominic Boberg (6,76 %) unter den Erwartungen. Applaus gab es bei der Bekanntgabe des Endergebnisses, nun diskutieren die Parteien einzeln das überaus überraschende Endergebnis. Und noch die Wahlbeteiligung: Die lag bei 47,55 Prozent.

18.47 Uhr: Nur noch das Wahllokal in der Franziskusschule fehlt, es ist also wohl fix: Die Prominenz wie Anja Weisgerber umzingelt Sebastian Remelé, mit mehr als 46 % sicher der große Gewinner. Kathie Petersen wird bei jetzt 19,3 % in die Stichwahl gehen, die anderen vier Kandidaten bleiben einstellig. Die Wahlbeteiligung nähert sich nun den zumindest halbwegs zufriedenstellenden 49 %.

18.42 Uhr: Ob Sebastian Remelé sogar die 50 % noch schafft? Das ist die einzige offene Frage des Abends. Alle anderen sind längst abgeschlagen, Kathie Petersen dürfte Platz zwei sicher haben. Augenblicklich kommt sie auf 19,3 %, Labus auf 10, Firsching auf 9,8, Geheimfavoriten Michal-Zaiser nur auf 8 und Boberg auf 6,7 %. Remelé liegt bei 46,2 % und sagt, nachdem nur noch 4 Stimmbezirke auszuzählen sind: "Da könnte man jetzt doch noch eine Schippe drauflegen, dann sparen wir uns die Stichwahl!" Und schon etwas ernster, aber euphorisch: "Ich bin nahezu sprachlos, das übertrifft meine kühnsten Erwartungen!" Lange Gesichter hingegen bei der SPD: Werner Bonengel gibt zu, mit 25 % gerechnet zu haben.

18.32 Uhr: 44 Bezirke sind ausgezählt, darunter Bergl, Gartenstadt und Oberndorf, SPD- und Linke-Hochburgen also: Remelé bleibt konstant bei 46 %, Petersen bei 20, Firsching bei 10, Labus bei 9, Michal-Zaiser bei 7 und Boberg bei 6 %. Rund 200 Leute in der vollen Rathausdiele zeigen kaum Emotionen, es geht ruhig zu. Weil´s wenig spannend ist?

18.28 Uhr: 37 Wahlbezirke von 58 sind ausgewertet: Remelé liegt bei 45 %, keiner kann mithalten. Am ehesten Petersen (20), für Firsching (10), Labus (9) und vor allem Michal-Zaiser (7) und Boberg (6) dürften die Träume von einer Stichwahl schon zu Ende sein.

18.25 Uhr: 25 teils kleinere Wahlkreise mit rund 8600 Stimmen sind ausgezählt, der Server der Stadt zusammengebrochen: Erste Resultate: Sebastian Remelé 46, Kathi Petersen 19, Frank Firsching 11, Stefan Labus 10, Christiane Michal-Zaiser 6 und Marc-Dominic Boberg 5 %. Die CSU liegt vor der SPD, vor den Linken, der Liste, proschweinfurt und den Grünen. Vernichtend gering die Wahlbeteiligung, die sich bei 36 % einzupendeln scheint.

18.16 Uhr: Vier Altenheime und die Krankenhäuser haben gewählt, die Stimmen sind ausgezählt: Remelé liegt bei 47 %, Petersen bei 22, Firsching bei 11, Labus bei 8, Michal-Zaiser bei 5 und Boberg bei 4 %

18.13 Uhr: Die ersten Stimmen aus einem Altenheim mit 99 Wählern, noch kein Fingerzeig: Remelé 62 %, Petersen 24, Michal-Zaiser 7, alle anderen Kandidaten je 2 %.

18.10 Uhr: Christiane Michal-Zaiser trudelt ebenfalls ein, zusammen mit Ehemann Jürgen. In rund zehn Minuten wird es die ersten Ergebnisse geben. Jürgen Mainka berichtete bereits davon, dass rund 4000 Schweinfurter die Möglichkeit zur Briefwahl nutzten, das sind immerhin rund zehn Prozent.

18.08 Uhr: SPD-Dame Kathi Petersen ist (in Begleitung von Peter Then) die erste der Kandidaten, die über die Freitreppe in der Rathausdiele erscheint. Rund 100 Interessierte haben sich dort nun eingefunden. So langsam wird es spannend....

17.59 Uhr: Von einer schlechten Wahlbeteiligung ist zu hören: In einigen Wahllokalen sollen es bis Mittag gerade mal 15 % gewesen sein.... Was Utho Grieser nur am Rande interessiert, der mit einer "High Noon"-Krawatte im Rathaus erschienen ist.

17.50 Uhr: Rund 50 Neugierige sind bereits im Rathaus eingetrudelt, darunter Anhänger der Parteien, teils mit Schals eindeutig zuzuordnen. Ebenfalls anwesend: Die bisherige Amtsinhaberin Gudrun Grieser mit ihrem Gatten Utho.

 

Michael Horling



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