Arbeitslosigkeit geht weiter zurück: Der Stand von 2008 ist fast wieder erreicht
Die saisonale Komponente ist im Juli weniger ausgeprägt als in den drei vergangenen Monaten. Hauptursache für die positive Entwicklung ist nun die wirtschaftliche Erholung, das verdeutlicht der Vergleich mit dem Vorjahresmonat: Vor Jahresfrist waren fast 1.400 oder rund 13 Prozent Arbeitnehmer mehr von Arbeitslosigkeit betroffen gewesen, bei einer Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent.
„Mit einer Quote von 4,0 Prozent liegen wir nur noch um 0,1 Prozentpunkte über dem Wert von vor zwei Jahren, als allgemein nur vom wirtschaftlichen Boom gesprochen wurde", stellt Peter Siegl, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, fest. „Diese positive Entwicklkung deckt sich mit den Signalen, die wir aus der Wirtschaft erhalten," so Siegl weiter, „in vielen Bereichen wurde bereits wieder ein Auftragsvolumen erreicht, wie es noch im Winter niemand erwartet hatte."
Auch bei den Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gesunken. „Totz der jedes Jahr im Juli und August üblichen Steigerung durch Jugendliche, die ihre Ausbildung beenden, aber nicht nahtlos vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden, wurden in diesem Jahr 268 Arbeitslose unter 25 Jahren weniger registriert als im Juli 2009," erläutert Siegl die Entwicklung und sieht große Chancen für die betroffenen jungen Menschen: „Gerade bei der derzeit wieder hohen Nachfrage nach Fachkräften dürfte die Arbeitslosigkeit hier in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer sein",.
Die Arbeitslosmeldungen im Anschluss an eine Ausbildung waren im Juli auch die Hauptursache für die Steigerung bei den Zugängen in die Arbeitslosigkeit: 973 Fälle und damit 422 mehr als im Vormonat wurden aktuell gezählt, während sich nur 96 Arbeitnehmer mehr aus einer Erwerbstätigkeit heraus erstmals oder erneut bei der Agentur für Arbeit oder den Arbeitsgemeinschaften melden mussten. Genau 1.425 Arbeitslose konnten im Juli Ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden. Das waren 113 weniger als im Juni, als der saisonale Einfluss noch etwas deutlicher zu spüren war, aber 183 mehr als vor Jahresfrist.
Im Juli war noch für knapp 15.000 Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet, der Grad der tatsächlichen Inanspruchnahme geht dabei weiter zurück. Immer mehr Betriebe beenden die Kurzarbeit komplett und arbeiten wieder voll. Auch aufgrund der Urlaubszeit (für Urlaubstage muss der Arbeitgeber das „normale" Entgelt zahlen) wird für den August sogar damit gerechnet, dass die Grenze von 5.000 tatsächlich abgerechneten Arbeitnehmern unterschritten wird.
Der Zugang an neuen ungeförderten Stellen übertraf im Juli mit 1.118 Angeboten den Vormonat um rund sieben Prozent, genenüber dem Vorjahr betrug die Steigerung 49 Prozent. Auch der Bestand an freien Arbeitsstellen stieg im Vergleich zum Juni um rund acht Prozent und lag ein Drittel höher als vor einem Jahr.
Peter Siegl, der stellvertretende Agenturleiter, zur Situation bei den Stellenangeboten: „‘Metallfachkräfte sind Mangelware‘, erhielt ich kürzlich seitens unseres Arbeitgeberservice spontan als Antwort auf die Frage nach der aktuellen Lage. Tatsächlich ist es schon erstaunlich, in welchem Maße das produzierenden Gewerbe insbesondere im in unserer Region dominierenden Metallbereich wieder Fachkräfte sucht. Der verstärkte Auftragseingang in der Großindustrie wirkt sich dabei natürlich auch positiv auf die Zulieferbetriebe aus. Aber auch in anderen Bereichen hält die Nachfrage an. Baubetriebe, viele andere Zweige des Handwerks und auch der Handel melden Bedarf an". Darüber hinaus sei es unverändert schwierig, so Siegl weiter, die Nachfrage nach Fachkräften im Gesundheits- und Pflegebereich zeitgerecht zu befriedigen. „Die Agentur für Arbeit arbeitet gerade in diesen Bereichen daran, Arbeitskräfte aus der so genannten ‚stillen Reserve‘ zu mobilisieren und beispielsweise Frauen nach der Familienphase wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren."
Im Hotel- und Gasttättenbereich besteht aufgrund der hier ebenfalls relativ hohen Fluktuation auch nach dem Saisonbeginn ein permanenter Bedarf an Fachkräften. Die große Nachfrage nach ausgebildten Handwerkern führt wieder zu der für den Bezirk der Agentur für Arbeit Schweinfurt typischen Konkurrenzsituation zwischen Handwerk und Industrie. Viele Fachkräfte sehen in der Großindustrie bessere Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten.
Nach wie vor hoch ist der Anteil der Zeitarbeitsfirmen bei den neu entgegen genommenen Stellenangeboten, im gesamten Agenturbezirk liegt er bei rund einem Drittel. Auch Ausfälle in der Stammbelegschaft aufgrund der beginnenden Ferienzeit werden häufiger durch Zeitarbeit abgedeckt, eine Entwicklung, die Schülern und Studenten immer weniger Möglichkeiten für Fereinarbeit lässt.
Während im gewerblichen Bereich die Nachfrage nach Fachkräften insgesamt zunehmend schwieriger zu befriedigen ist, können Stellen im Handel und im Bürobereich relativ zügig besetzt werden.
Zum Ausbildungsstellenmarkt: Auch im Juli sind Stellenangebot und Bewerberzahl im Vorjahresvergleich rückläufig, das Verhältnis zwischen unversorgten Bewerbern und offenen Stellen hat sich leicht verbessert. Auch zum statistischen Zähltag im Juli gab es rund sechs Prozent weniger Bewerber als im Vorjahr, das waren 3.743 gemeldete Interessenten für eine Berufsausbildung. Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2009 wurden der Agentur für Arbeit Schweinfurt 2.793 Ausbildungsstellen gemeldet, zwei Prozent weniger als vor einem Jahr.
Im Vormonat galten 1.192 Bewerber als unversorgt, im Juli waren es noch 758, 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Ihnen stehen 598 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber, rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juni waren 787 offene Stellen gezählt worden. Damit konkurrierten rein rechnerisch 100 Bewerber um 79 offene Stellen, im Vormonat war dieses Verhältnis mit 66 Stellen für 100 Bewerber noch ungünstiger gewesen. Dieser Wert ist zwar immer noch unbefriedigend, gerade im bayernweiten Vergleich, aber doch bereits erheblich günstiger als vor einem Jahr. Im Juli 2009 hatten 100 unversorgte Bewerber lediglich 54 offene Stellen zur Auswahl.


