Bälle flach halten und Fußballwürste testen: Der aus Unterspiesheim stammende Markus Dittmann hat mit Freunden einen Verein für Förderung der Bratwurstkultur auf den Sportplätzen gegründet
"Ich mag die meisten Würste nicht, die in Hamburg bei kleinen Vereinen Standard sind und die im Toastbrot-Dreieck verkauft werden", sagt der 34-Jährige, der als Maschinenbauingenieur tätig ist und für den ein Wochenende mit nichts Schönerem beginnen kann als mit einer Wurst und einem Bier beim Fußball. Übrigens in Hamburg lieber unterklassig als bei HSV und St. Pauli. In der letzten Regionalliga-Saison hatte Dittmann eine Dauerkarte bei Altona 93, stand bei allen Heimspielen in Block B und beschloss mit Kumpels: "Jetzt
langt´s!" Zunächst per Blog taten er und ein Freund die Meinung kund, wie schlecht doch bei Altona und auch bei Concordia Hamburg die Würste seien. Schließlich mietete er sich die Domain fussballwurst.de, gründete mit den Kumpanen Renz (Geschäftsführer) und Beyer (Schatzmeister) den Verein, dem er als Vorsitzender vorsteht.
Mittlerweile testen acht Mann, in Hamburg, deutschland- und sogar schon weltweit (dazu später mehr). "Die Symbiose des sportlichen Fußballerlebnisses mit dem
kulinarischen Genuss von Bratwürsten soll in diesem Verein kultiviert werden. Die Bratwurst schließt in diesem Kontext weitere Wurstsorten wie Schinkenwurst, Krakauer und Currywurst mit ein. Eingeschlossen ist ebenfalls der kulinarische Genuss von Spezialitäten auf Fussballplätzen aller Kulturkreise", heißt es in Paragraph 2 der Vereinssatzung. Jedes Geschmackserlebnis wird untersucht und mit einer humorvollen Note bedacht. Handelt es sich um eine Fabrikwurst? Wird mit Gas oder Holzhohle geheizt? Welchen Senf gibt es dazu? Und wieviel hat der Experte von www.fussballwurst.de zu zahlen?
Garniert sind die Wurstgeschichten mit Beschreibungen des Stadions, der Gegend, des Spiels und so weiter. Locker und lesenswert geschrieben eben. Ende September weilte Markus Dittmann mal wieder auf Heimatbesuch und nutzte die Gelegenheit aus. In Grettstadt testete er die Wurst eines Stammheimer Metzgers (verpasste an diesem Tag dummer Weise den ersten Sieg seiner geliebten DJK in der Bezirksliga ausgerechnet bei Tabellenführer Güntersleben), bestellte die Wurst extra verbrannt ("weil sie dann wegen des Acrylamids süßlich schmeckt..."). Ungebrüht und grob mag es der Ingenieur aber am liebsten, steht auf "Fränkisch Fast-Food". Womit "schöne Nürnberger mit Kraut, Schwarzbrot und scharfen Senf" gemeint sind.
Lecker war auch die Bratwurst vier Tage zuvor beim FC Gerolzhofen, der den FC Schweinfurt 05 aus dem Pokal warf. Als Geschichte zum Test gabs diesmal Erinnerungen an den einst auch für St. Pauli spielenden Ex-Schnüdel Festus Agu, der nach seinem Weggang aus Schweinfurt an sich nach Ahlen in die 2. Bundesliga wechseln wollte, der aber (versehentlich?) in Aalen in der Regionalliga landete. Diese Anekdote verbindet der Autor mit der Verwechslungsgeschichte zum Thema Steigerwaldstadion, das in Gerolzhofen und auch in Erfurt steht...
Zurück aber zu den Würsten: Die vom USC Paloma Hamburg ("für 2,20 Euro, aber vom Holzkohlegrill") soll bislang unter den 40 getesteten die beste gewesen sein. Ganz schlecht schnitt hingegen beim internationalen Besuch eines Spiels von Hiberian Edinburgh in Schottland der mangels Wurst getestete Kuchen mit Leberfüllung ab. So richtig reizen würde Markus Dittmann neben dem Genuss einer "Rindswurst im Schweinfurter Willy Sachs-Stadion be einem Auswärtsspiel von Altona 93 in der dritten Liga" einmal ein Fußballausflug nach Barcelona, des gewaltigen Stadions Nou Camp wegen. "Keine Ahnung aber, was es dort
zum Verzehr gibt. Wahrscheinlich Tapas", vermutet der 34-Jährige, der wie seine Kollegen an sich gar nicht gerne groß in Erscheinung tritt. "Wir sind Bälle flach halten-Typen", grinst er und spricht vom fehlenden Druck bei den Tests. Alle Macher haben gute Jobs, die ihnen Spaß machen, denken daher nicht nach über eine Vermarktung der Seite. "Die ist absolut unverdorben. Wir würden uns unglaubwürdig machen, wenn wir Werbeflächen verkaufen. Es würde mir Angst machen, wenn wir damit Geld verdienen", sagt der Unterfranke, der sich nach vielen Jahren im Norden inzwichen heimisch fühlt.
fussballwurst.de soll also ein Hobby bleiben. "Wobei wir mal schauen, wie weit wir es treiben können", grinst Dittmann schon wieder und spricht lachend vom Grimme online-Award als mögliches Ziel. Groß mit Eigeninitiative Reklame für die Seite machen wollen die Jungs nicht. Als der Kicker berichtete, zeigte sich Dittmann fast erschrocken, zumindest erstaunt. Gewusst davon hatte er nichts, auch wenn zuvor auch schon das Handelsblatt einen Beitrag brachte und darauf denn Deutsche Welle-TV neugierig wurde. Fußballwürste sind eben ein massentaugliches Thema.
Mehr unter www.fussballwurst.de



